Provision nach Kündigung: Anspruch und Auszahlung prüfen

Wann eine Verkaufsprovision nach dem Jobende zustehen kann, welche Abrechnung Sie verlangen können und was am Ratentag tatsächlich verfügbar ist.

In diesem Artikel

Kurzantwort

Eine vereinbarte Verkaufsprovision kann auch nach dem Jobende fällig werden. Wurde das Geschäft vorher abgeschlossen und erst danach ausgeführt, prüfen Sie die nachlaufende Provision. Bei einem Abschluss nach dem Jobende gelten engere Voraussetzungen. Ordnen Sie jedes Geschäft einzeln zu, verlangen Sie die passende Abrechnung und prüfen Sie mögliche Ausschlussfristen. Für die Kreditrate zählt der verfügbare Kontostand am Fälligkeitstag.

Vier Termine vom Verkaufsabschluss bis zum Provisionseingang. Bei einer Bankrate von 240 Euro und 145 Euro verfügbarem Guthaben fehlen am Ratentag 95 Euro.
Im Modell wird die Provision nach dem Jobende abgerechnet. Am Ratentag fehlen 95 Euro, weil die Gutschrift erst einen Tag später eingeht.

Zuerst klären, wofür Sie die Provision erhalten

Dieser Leitfaden betrifft Angestellte in Deutschland, denen der Arbeitgeber für selbst vermittelte oder abgeschlossene Geschäfte eine Provision zugesagt hat. Legen Sie den Arbeitsvertrag und die für Ihre Tätigkeit geltende Provisionsregelung neben die Kündigung. Halten Sie den Tag fest, an dem das Arbeitsverhältnis tatsächlich endet. Die vereinbarte Vergütung gehört zu den Pflichten des Arbeitgebers. § 611a BGB

Für kaufmännische Angestellte mit einer solchen Vereinbarung verweist § 65 HGB auf bestimmte Vorschriften für Handelsvertreter. Dazu zählen § 87 Absätze 1 und 3 sowie die §§ 87a bis 87c HGB. Ein selbstständiger Handelsvertreter hat einen eigenen rechtlichen Status. Maßgeblich sind auch die tatsächlichen Arbeitsbedingungen. § 59 HGB · § 65 HGB · § 84 HGB

Lesen Sie, wie der variable Betrag entsteht. Eine vom Unternehmensumsatz abhängige Vergütung kann anderen Regeln folgen als eine Provision je vermitteltem Geschäft. Das BAG hat für eine Beteiligung am Gesamtumsatz in einem konkreten Fall die §§ 87 ff. HGB nicht angewandt. Bei solchen Vergütungen prüfen Sie die eigene Vereinbarung und den allgemeinen Ausgangspunkt für die Fälligkeit. BAG, 8 AZR 67/15, Rn. 76–80 · § 614 BGB

Vertragsabschluss und Lieferung zeitlich trennen

Ermitteln Sie für jedes offene Geschäft das verbindliche Abschlussdatum, Ihre Beteiligung und die tatsächliche Ausführung. Wurde das Geschäft vor dem Arbeitsende abgeschlossen und beruht es auf Ihrer Tätigkeit, kann es auch bei späterer Lieferung provisionspflichtig bleiben. Das BAG erläutert diese Überhangprovision anhand des § 87 Absatz 1 HGB in einem Urteil zu einem angestellten Verkäufer, der für Betriebsratsarbeit freigestellt wurde. § 87 Absatz 1 HGB · BAG, 7 AZR 141/23, Rn. 45–49

Was geschah?Was ist für die Provision zu prüfen?
Verbindlicher Abschluss vor Arbeitsende, Lieferung späterAbschlussdatum, eigene Beteiligung, Provisionsvereinbarung und spätere Ausführung.
Verbindlicher Abschluss erst nach ArbeitsendeFrühere Vermittlung oder überwiegend ursächliche Vorbereitung und Abschluss innerhalb angemessener Frist. Alternativ rechtzeitiger Zugang des passenden Angebots des Kunden.
Es gab nur eine Anfrage oder einen unverbindlichen EntwurfOb und wann ein verbindliches Geschäft entstand. Sichern Sie den dokumentierten Stand vor dem Ausscheiden.

Bei einem späteren Abschluss nach § 87 Absatz 3 kann das Kundenangebot vor dem Ende dem Angestellten oder dem Unternehmen zugegangen sein. Prüfen Sie dabei, ob es sich um ein Geschäft handelt, für das die Vorschrift eine Provision erfasst. Für die andere Fallgruppe hängt die angemessene Frist vom Geschäft ab. Der Absatz sieht bei besonderen Umständen auch eine anteilige Zuordnung an den Nachfolger vor. § 87 Absatz 3 HGB

Lieferung, Storno und Vorschuss je Geschäft prüfen

Die Provision entsteht nach der Grundregel, sobald und soweit der Arbeitgeber das Geschäft ausführt. Eine abweichende Vereinbarung kann den Zeitpunkt verschieben. Führt der Arbeitgeber das Geschäft dann aus, sieht das Gesetz einen angemessenen Vorschuss vor, der spätestens am letzten Tag des Folgemonats fällig ist. Sobald und soweit der Kunde seinerseits das Geschäft ausführt, entsteht der Provisionsanspruch unabhängig von einer solchen Vereinbarung. § 87a Absatz 1 HGB

Fragen Sie bei einem Abzug nach dem konkreten Grund und nach dem Status des Geschäfts. Steht fest, dass der Kunde nicht leistet, kann die Provision entfallen und ein schon empfangener Betrag zurückzuzahlen sein. Unterbleibt die Ausführung auf Arbeitgeberseite oder weicht sie vom Abschluss ab, prüfen Sie die Umstände und wer sie zu vertreten hat. Prüfen Sie auch, ob die Buchung eine bereits geleistete Vorauszahlung oder eine Stornokorrektur betrifft. § 87a Absätze 2, 3 und 5 HGB

Gleichen Sie die Berechnungsbasis und den Satz mit der Provisionsregelung ab. Erfassen Sie Teilgeschäfte, bereits gebuchte Vorschüsse und belegte Korrekturen einzeln. § 87b regelt unter anderem den üblichen Satz bei fehlender Bestimmung und die gesetzliche Berechnungsgrundlage. § 87b HGB

Abrechnung, Buchauszug und Fristen abgleichen

Der Arbeitgeber rechnet im Anwendungsbereich der Vorschrift grundsätzlich monatlich ab. Der Zeitraum kann bis auf drei Monate erstreckt werden. Die Abrechnung ist ohne schuldhaftes Zögern und spätestens bis zum Ende des nächsten Monats vorzunehmen. Die Provision ist am letzten Tag des Monats fällig, in dem darüber abzurechnen ist. Lesen Sie Abrechnungszeitraum und Fälligkeit deshalb zusammen. § 87c Absatz 1 HGB · § 87a Absatz 4 HGB

Fordern Sie die fehlende Abrechnung für den betroffenen Zeitraum beim Arbeitgeber an. Nennen Sie bekannte Auftragsnummern, Abschlussdaten und offene Positionen. Sie können im Anwendungsbereich des § 87c bei der Abrechnung einen Buchauszug zu den provisionspflichtigen Geschäften und die für Anspruch, Fälligkeit und Höhe wesentlichen Informationen verlangen. Bei verweigertem Buchauszug oder begründeten Zweifeln regelt Absatz 4 unter weiteren Voraussetzungen eine Einsicht. § 87c Absätze 2 bis 5 HGB

Prüfen Sie parallel, ob ein Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag für die konkrete Forderung eine Ausschlussfrist und eine bestimmte Form der Geltendmachung vorsieht. Sichern Sie den Zugang Ihrer Erklärung und prüfen Sie bei Ablehnung, ob eine weitere Frist läuft. Eine bloße Bitte um Unterlagen und die konkrete Geltendmachung einer Zahlung sind verschiedene Schritte. Die regelmäßige Verjährung beträgt grundsätzlich drei Jahre und beginnt nach den Voraussetzungen des § 199 Absatz 1 mit dem Jahresschluss. Eine wirksame Ausschlussfrist kann früher greifen. § 195 BGB · § 199 BGB · BAG, 8 AZR 67/15, Rn. 74–81

Ist der Betrag geklärt und bereits fällig, hilft der Leitfaden zu ausstehendem Gehalt beim Nachweis von Teilzahlungen und beim Beziffern des Rests.

Beispiel mit 420 Euro Provision und drei getrennten Terminen

In diesem frei gewählten Modell hat eine Angestellte am 25. September 2026 ein Geschäft vermittelt, das noch am selben Tag verbindlich abgeschlossen wird. Ihr Arbeitsverhältnis endet am 30. September. Der Arbeitgeber liefert am 12. Oktober vollständig. Es gilt die gesetzliche Grundregel zur Ausführung, und der Arbeitgeber rechnet monatlich ab. Der Kunde leistet wie geschuldet. Die geklärte Provisionsbasis beträgt 8.400 Euro, der vereinbarte Satz 5 Prozent. Vorschüsse, Stornos und andere Korrekturen gibt es im Modell nicht.

8.400 € × 5 % = 420 € brutto. Die Provision fällt in diesem Beispiel in den Oktober. Die Abrechnung ist spätestens bis zum 30. November fällig. Für diesen angenommenen Abrechnungsmonat ist auch die Provision am 30. November fällig. Die Abrechnung weist nach den im Modell bereits berücksichtigten Abzügen 295 Euro zur Auszahlung aus. Die Gutschrift erfolgt tatsächlich erst am 2. Dezember. § 87a Absätze 1 und 4 HGB · § 87c Absatz 1 HGB

Wenn ein weiterer Auftrag im September nur vorbereitet wurde und der Kunde erst im Oktober verbindlich abschließt, braucht dieser Auftrag eine eigene Prüfung nach § 87 Absatz 3. Tragen Sie ihn bis zur Klärung getrennt ein. § 87 Absatz 3 HGB

Am Ratentag mit dem verfügbaren Betrag rechnen

Am 1. Dezember ist im Modell eine Bankrate von 240 Euro fällig. Nach den anderen bis dahin fälligen Ausgaben sind 145 Euro verfügbar. Es fehlen 240 € − 145 € = 95 €. Die am 2. Dezember eingehenden 295 Euro ändern den Kontostand vom Vortag nicht. Für den Dezemberplan zählen sie ab Gutschrift einmalig. Der Haushaltscheck unter dem Artikel zeigt, ob die regelmäßigen Einnahmen nach dem Jobwechsel die laufenden Ausgaben und die Rate decken.

Sehen Sie die Lücke frühzeitig, gleichen Sie den Ratentermin mit der Bank ab und klären Sie, ob eine konkrete Änderung vereinbart werden kann. Bis eine wirksame Lösung vorliegt, planen Sie mit dem bestehenden Fälligkeitstag. Forderung gegen den Arbeitgeber und Rückzahlung an die Bank laufen getrennt. § 488 Absatz 1 BGB

Der Leitfaden zu Kreditraten bei schwankendem Einkommen zeigt, wie sich ein später Zufluss auf mehrere Monate und die benötigte Reserve auswirkt.

  • Auftragsnummer, Abschluss und eigene Mitwirkung festhalten.
  • Enddatum, Ausführung und Zahlung des Kunden getrennt dokumentieren.
  • Provisionsbasis, Satz, Vorschüsse und Korrekturen abgleichen.
  • Abrechnung anfordern, Ausschlussfrist prüfen und Zahlung konkret geltend machen.
  • Nettoeingang und Kreditrate mit ihren tatsächlichen Terminen in die Planung übernehmen.

Häufige Fragen

Verfällt meine Verkaufsprovision mit der Kündigung?

Eine vereinbarte Provision kann auch nach dem rechtlichen Arbeitsende zustehen. Prüfen Sie besonders Geschäfte, die vorher verbindlich abgeschlossen und erst später ausgeführt wurden, sowie die für Ihre Vergütung geltende Regelung.

Was gilt, wenn der Kunde erst nach meinem Ausscheiden unterschreibt?

Prüfen Sie § 87 Absatz 3 HGB. Maßgeblich können eine frühere Vermittlung oder maßgebliche Vorbereitung mit zeitnahem Abschluss oder der rechtzeitige Zugang eines passenden Kundenangebots sein. Legen Sie die Vorgänge und Daten je Geschäft offen.

Wann muss der Arbeitgeber abrechnen?

Im Anwendungsbereich des § 87c HGB ist der Ausgangspunkt die Monatsabrechnung. Der Zeitraum kann auf höchstens drei Monate erstreckt werden. Nach Ablauf des Zeitraums ist spätestens bis zum Ende des folgenden Monats abzurechnen.

Kann ich fehlende Geschäfte in der Abrechnung prüfen lassen?

Fordern Sie eine Abrechnung für den betroffenen Zeitraum an und benennen Sie bekannte Aufträge. § 87c HGB regelt im Anwendungsbereich den Buchauszug und Auskünfte zu Anspruch, Fälligkeit und Berechnung.

Was mache ich bei einem Stornoabzug?

Lassen Sie sich die Position dem Geschäft zuordnen und den Grund nennen. Prüfen Sie, ob die Nichtleistung des Kunden feststeht oder auf Arbeitgeberseite nicht wie vereinbart ausgeführt wurde. Gleichen Sie auch bereits erhaltene Vorschüsse ab.

Kann ich die erwartete Provision für die nächste Kreditrate einrechnen?

Für den Ratentag zählen die Mittel, über die Sie dann tatsächlich verfügen können. Ist der Eingang erst danach zu erwarten, ermitteln Sie die Lücke und klären Sie den Termin rechtzeitig mit der Bank.

Offizielle Quellen und Rechtsgrundlagen

Quellen geprüft am 04.11.2026.

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